Es war einmal …

Es war einmal ein Schrankleiche, die ein trauriges Dasein versteckt im Schrank von Tammilein näht fristete. Ein flutschiges Stöffchen in feinem rosa, pink und grün. Aber 2021 war endlich seine Zeit gekommen: Der Schrankleichendesigner-Wettbewerb 2021 von „Die graue Maus“. Unter dem Namen „Florale Verwirrung in Pink und Grün“ machte sich der Stoff also aus dem Großraum Berlin auf den Weg zu mir nach Hessen.

Erste Ideensammlung

Tagelang grübelte ich, was daraus wohl werden könnte. Ließ das Material immer wieder durch meine Hände gleiten. Suchte verschiedene Schnitte heraus und verwarf die Ideen wieder. Da es sich um eine Art Lycra, Badestoff o.ä. handelte, standen ein Bikini und Sportsachen zunächst ganz oben auf der Ideenliste.

Mit Blick auf die ausgefallensten Ideen der vergangenen Jahre im Wettbewerb, erschienen mir die Ideen aber zu profan und die potenziellen Foto-Locations nicht „spektakulär genug“. Und außerdem war da noch Celina von LC Star, die immer wieder betonte, mich in einem Monokini sehen zu wollen. Was also könnte ich zaubern, um einen Monokini zu integrieren, aber dennoch im finalen Voting zumindest den Hauch einer Chance zu haben?

Herausgekommen ist „ein weibliches Fabelwesen, ein Mischwesen aus Frauen- und Fischkörper, das den Legenden und dem Aberglauben nach im Meer oder anderen Gewässern lebt.“ (Quelle: Wikipedia): eine Meerjungfrau. Das symmetrische Muster des Stoffs eignete sich einfach perfekt, die Länge reichte gerade so.

Mermaid-Schnittmuster erstellen

Also nähte ich zunächst einen Probemonokini nach dem Badeanzug-Schnitt „Abigail“ von Textilsucht, um die passende Größe des Oberteils zu ermitteln. Der Monokini in L saß zwar „okay“, final habe ich mich dann aber für eine M entschieden.

Anschließend habe ich mithilfe des Monokinis, viiielen Punkten an meinen Beinen und einer Monoflosse an den Füßen genau Maß genommen, um den kompletten Schnitt zu erstellen, denn der Monokini sollte direkt mit dem Fischschwanz verbunden werden.

Nachdem der Schnitt stand, ging es in die Feinplanung.

Das Monokini-Vorderteil sowie den hinteren Hosen-Teil habe ich einmal komplett aus schwarzem, festem Badelycra (Stoffoase Kelkheim) genäht und das Vorderteil zusätzlich nochmal mit schwarzen Badefutter unterlegt. Quadi ein Monokini unter dem Mermaid-Monokini. So bleit definitiv auch alles wo es sitze soll 😉

Die Bein-Ausschnitte des Monokinis habe ich mit Badegummi genäht, während ich die Ausschnitte, am Bauch, Rücken und der Brust mit goldenen Einfassgummi versäubert habe, den ich bei der Stoffoase in Kelkheim gekauft habe.

Die Raffung an der Brust habe ich ebenfalls mit Badegummi genäht und dann von Hand goldene Perlen * in diversen Größen von Hand darauf genäht.

Monokini-Oberteil des Meerjungfrauen-Kostüms mit goldenen Perlen und Paillettenband

Die Details

Damit das Outfit später auch in der Sonne funkelt, sollten zusätzlich zum Einfassband und den goldenen Perlen einige Details ergänzt werden: Träger aus dehnbarem Paillettenband *, Schmuck, Haarreif und ein goldenes Fischernetz.

Die Perlen-Ohrringe in Form von Seesternen hat Mam(i)a mir selbst gebastelt/geknüpft nach einer Starfish-Anleitung von Kelly Dale/Off the Beaded Path *.

Für den Haarreif habe ich einen Kunststoff-Haarreif mit dem goldenen Paillettenband bezogen (genäht und geklebt) und darauf noch golden-lackierte Muscheln angebracht.

Aus einem Rest Stoff habe ich mir passende Armstulpen genäht mit Fingerschlaufe aus Einfassgummi. Dafür habe ich einfach den Umfang am oberen Unterarm und am Handgelenk genommen und daraus ein Trapez gezeichnet. Anschließend habe ich nach oben noch ein Dreieck angezeichnet, dass ich mit dem Einfassgummi versäubert habe und direkt die Schlaufe dabei mit genäht habe.

Das goldene Fischernetz habe ich aus Bakers Twine * selbst geknüpft und mit Perlen versehen – Makramee wird übrigens definitiv nicht mein Hobby 🤪

Detailaufnahme der Flosse mit handgeknüpftem goldenen Fischernetz anlässlich des Schrankleichendesigner2021-Wettbewerbs

Am Rücken habe ich noch das #SLD2021-Logo klein und golden aufgeplottet und die Außenkanten der Flosse sind ebenfalls mit eben dieser Plotterfolie verstärkt. Für das finale Funkeln habe ich die Flosse noch mit einem Hauch Marabu Fashion Schimmer in Gold * benebelt.

Außerdem habe ich an der Brust das Label „Crazy Shit“ von #mehretikette (Edition 5) mit eingefasst und über dem Po („Arschgeweih“) ein SnapPap-Label aufgenäht, das mit in meinem Schrankleichen-Paket lag.

Foto-Set 1

Kaum war die Meerjungfrau fertig und ich zu den Fotos bereit … regnete es … und regnete … und regnete … Tagelang. Und überhaupt, wo fotografiert man denn eine Meerjungfrau überhaupt am besten? Gelandet sind wir irgendwo am Rhein, zwischen Eltville und Rüdesheim. Ein klitzekleines Stückchen „Strand“, mit Anglern, die sichtlich Spaß an unserem Fotoshooting hatten 🤣

Herausgekommen sind nach meinem Empfinden, aber die schönsten Fotos seit langem (und zwei Tage Muskelkater vom „Räkeln im Sand“ 🙈):

Liegende Aufnahme des Meerjungfrauenkostüms bestehend aus Monokini und Monoflosse anlässlich des Schrankleichendesigner2021-Wettbewerbs
Sitzende Rückansicht des Meerjungfrauenkostüms bestehend aus Monokini und Monoflosse anlässlich des Schrankleichendesigner2021-Wettbewerbs

Und wenn sie nicht gestorben ist …

Doch was sich schon einige Tage im Hinterkopf abspielte, manifestierte sich immer lauter: Nein, nein, nein – ich will kein schutz- und erlösungsbedürftigen Weibchen“ sein … kein seelenloses oder verdammtes Wesen, das nur durch die Liebe eines menschlichen Gemahls von seinem Schicksal befreit werden kann“. (Quelle: Wikipedia)

Hey, immerhin leben wir im 21. Jahrhundert und Feminismus wird überall großgeschrieben. Einen Scheiß lass ich mich von jemand anders erlösen als von mir selbst 🥴🤨

Also: Schnipp schnapp, Flosse ab.

Und so geschah es über Nacht, dass sich die Meerjungfrau in eine Frau mit Beinen und Badekleid verwandelte.

Dafür habe ich zunächst die Flosse oberhalb des Knöchels abgetrennt und mit goldenem Einfassgummi versäubert, um den Monoflossen-Überzug zu erhalten. Anschließend habe ich einen zweiten Schnitt oberhalb des Knies gesetzt für die Rocklänge. Den übrig gebliebenen „engen Rock“ habe ich bis zur breitesten Stelle an der Hüfte aufgeschnitten und Dreiecke aus dem abgeschnittenen Flossenteil eingesetzt. Zum Schluss gab es einen Rollsaum als Abschluss und zwei goldene Dreiecke aus Plotterfolie über die leicht unsauberen Spitzen der eingesetzten Stoffdreiecke 🤫

Tadaaa – fertig ist mein Badekleid.

Accessoires und Foto-Set 2

Aus einem letzten Rest der Schrankleiche habe ich dann noch eine Tasche/Clutch genäht. Dafür habe ich mit Vliesofix den Stoff auf Filz gebügelt und mir eine kleine Tasche nach meinem eigenen Schnitt gezaubert (Probenähen folgt demnächst 😉). Die Klappe ziert noch ein süßes #SLD2021-Label, das Doros Wunderwerkelwelt uns zur Verfügung gestellt hat.

Eine gekaufte Strumpfhose mit goldenen Schuppen * und die genialen grünen Mermaid-Schuhe *, die mit Pure Rose geliehen hat, runden das Outfit ab.

So sollte es am letzten Tag der Fotoabgabe nochmal an den Rhein für diese letzten Aufnahmen gehen. Morgens wachte ich schon früh und erschrocken auf, weil ich dachte, ich geträumt hatte, alle Fotos sind doof, es ist schon Samstag und ich habe vergessen mein Foto einzureichen. Dieser Albtraum ist mir wohl nicht ganz bekommen, denn prompt habe ich für die zweite Foto-Session vergessen mein Fischernetz und die Armstulpen einzupacken.

Am Rhein angekommen, sah ich das, was ich vorher schon auf Grund der schlimmen Bilder aus NRW befürchtet hatte: „Mein Strand“ war in der Zwischenzeit nicht mehr erreichbar – der Pegel des Rheins war weiter gestiegen.

Also wurden nur die nötigsten Fotos geschossen und ein kurzes Video für das Reel gedreht. Back at Home versuchte eine Freundin nochmal Bilder aus mir rauszukitzeln mit den anderen Accessoires.

Final habe ich mich dann aber doch für das Bild am Rhein entschieden und so gehe ich mit dieser Collage ins Voting:

Collage zum Schrankleichendesigner2021

Die komplette Verwandlung als Instagram-Reel

Voting/Endergebnis

Und jetzt: Ab zur nächsten Strandbar, denn ich würde gern auf den zweiten Platz beim #Schrankleichendesigner2021 mit dir anstoßen 😀 Die Jury hat mich mit 379 Punkten auf Platz 2 hinter Lino Bino und ihre Interpretation von Alice im Wunderland (> 400 Punkte) gevotet. Auf Platz 3 ist mit nur einem Punkt weniger als ich Lovely Clover mit dem wundervollen „Morticia’s Sargtuch“ gelandet. Aber auch im öffentlichen Voting bin ich in der Top 10 gelandet, was mich wirklich freut!

Sieger-Podest Schrankleichendesigner 2021

Wer nun nochmal einen Blick in das Album aller Teilnehmer werfen will, erreicht selbiges unter www.annimamia.de/sld2021-teilnehmer

Happy Sewing,

eure


Quellen, Links, etc.

Schnitt: Meerjungfrau und Badekleid selbstgemacht auf Basis des Monokini-Schnitts „Abigail“ von Textilsucht; Tasche/HipBag/Clutch nach eigenem Schnitt (erscheint demnächst)

Ohrringe: Starfish-Anleitung von Kelly Dale/Off the Beaded Path *

Stoff und Zubehör: