Uihuihui werdet ihr denken, jetzt haben Annika (anni) und ich (mamia) unseren Blog erweitert und berichten nicht mehr nur über unsere DIY-Themen sondern berichten auch über unsere pikanten Liebesgeheimnisse und geben Ratschläge in Liebesdingen. Aber weit gefehlt, natürlich geht es wieder um unsere DIY-Projekte. Mein aufregendes erstes Mal hat einen ganz anderen Hintergrund.

Ich nähe schon über 30 Jahre, aber bisher hat sich mein Nähen auf Kleidung, Deko-Objekte, Vorhänge und Kuscheltiere beschränkt. Taschen oder Rucksäcke habe ich noch nie genäht, bis auf eine einfache Einkaufstasche. Schon einige Zeit hat Annika an ihrem Schnittmuster Rucksack No. 1 getüftelt und hat schließlich Probenäherinnen für den Schnitt gesucht. Als Mama hatte ich gar keine andere Wahl, als auch eine Probenäherin zu werden 🙂 Nachdem ich mir die Anleitung das erste Mal durchgelesen habe, dachte ich, das schaffe ich nie im Leben 😛

Material und Stoff

Annika hatte mir schon einmal das Zubehör, wie Karabiner, Triangelringe, Schieber, Gurtband und Endlosreißverschluss bestellt in ihren bevorzugten Shops bestellt. So musste nur noch Stoff und Kunstleder her. Aus meinen unzähligen Stoffvorräten kam ein Stoffschätzchen zum Einsatz, das schon einige Jahre in meinem Stoffregal lag. Ursprünglich wollte ich daraus einmal ein Kostüm nähen. Beim Stöbern in meinen Stoffregalen habe ich mich aber umentschieden, da der Stoff ziemlich fest und von der Art her einem robusten Jeansstoff gleicht und damit perfekt ist für meinen ersten Rucksack No. 1. Wie so oft bei mir hat auch dieser Stoff wieder ein Blumenmuster. Für den Boden habe ich ein cognacfarbenes Kunstleder (Polsterleder) gewählt und für das Futter einen Baumwollstoff in lachsrosa. Dazu kam noch etwas durchsichtiges Wachstuch für die Visitenkartenfächer.

Los geht’s

Schnittmuster ausgedruckt und ausgeschnitten und ran an den Stoff: Für die „Innenausstattung“ habe mich entschieden, noch mehr Taschen im Inneren anzubringen. Anschließend habe ich entsprechend der Anleitung das Volumenvlies auf alle angegebenen Teile aufgebügelt und auf den inneren Boden, zur Verstärkung einen kaschierten Schaumstoff genäht (was sich für mich als Taschen-Neuling im weiteren Verlauf als schwierig erweisen sollte). Als erstes habe ich die äußeren Seitenteile genäht, wobei ich die Abschlusskanten der Außentaschen immer mit dem Kunstleder einfassen wollte.

Eingefasste Kante am Rucksack No. 1 von Mamia

Und da ging sie schon los, die Aufregung. Mit dem normalen Nähfuß meiner Nähmaschine wurde das Kunstleder ganz schlecht weitertransportiert. Also habe ich den Obertransportfuß angebracht und damit genäht. Leider wurden dabei immer wieder Stiche ausgelassen und schon langsam fing er mich an zu ärgern, dieser Rucksack. Wenn ich den Obertransportfuß auf einem normalen Stoff benutzte, waren alle Stiche korrekt gebildet. Dann fiel mir ein, dass ich noch einen Rollentransportfuß für meine Nähmaschine, eine Janome Memory Craft 5200 (gekauft bei der Nähwelt Flach *) besaß. Also habe ich wieder den Nähfuß gewechselt und erneut den Lederstreifen zum Einfassen der Kanten genäht. Damit ging es eigentlich ganz gut und ich dachte schon: juhu, jetzt klappt es. Aber zum Glück wusste ich da noch nicht, wie ich mich im weiteren Nähverlauf aufregen und ärgern würde (aber nicht wegen des Rucksackschnittes!).

Das Aufnähen der Gurtbänder hat gut geklappt, aber schon beim Nähen der Laschen für die Gurtaufhängung streikte die Maschine wieder. Die Schichten aus zweimal Kunstleder, sowie doppeltes Gurtband waren einfach zu dick. Meine Nähmaschine hat einen Notstopp. Fragt nicht, wie oft meine Nähmaschine diesen Notstopp auslöste. Das hieß jedes Mal Maschine ausschalten, wieder einschalten und wieder die gewünschte Stichbreite auswählen. Also habe ich eine andere Nadel, die dicker war eingesetzt. Mit Mühe und Not kam ich dann über die kritischen Stellen hinweg, wobei ich zwischen Obertransportfuß und Rollenfuß hin- und hergewechselt habe, was jedes Mal ein Abschrauben des normalen Nähfußhalters und Anschrauben des Obertransportfußes bedeutete. Ich glaube ich habe in den ganzen Jahren, in denen ich schon mit dieser Nähmaschine nähe, so oft die Nähfüße meiner Maschine gewechselt, wie bei diesem Rucksack-Projekt.

Die Reißverschlusstasche auf der Vorderseite des Rucksackes ging ohne Probleme, außer der Tatsache, dass der eigentlich dafür vorgesehene Endlosreißverschluss zu schmal war. Das hat mich jetzt nicht aufgeregt, da ich noch einen breiteren in blau hatte. Die Öffnung dafür wurde übrigens im Schnitt zwischenzeitlich auch angepasst – auch schmalere Reißverschlüsse sind nun kein Problem mehr 🙂

Das Innenfutter mit all seinen Taschen ging ohne größeren Probleme über die Bühne.

Innenfutter Rucksack No. 1 von Mamia

Aber dann kam es zum Zusammennähen der Außentasche: Da ging an den Stellen erst einmal gar nichts, wo die Kunstlederteile mit den zwischengefassten Laschen der Gurtaufhängung, sowie der Boden zusammengenäht werden sollten. Es war schon schwierig die Kunstlederteile so zusammenzustecken (bzw. mit den Wonderclips zu fixieren, da stecken mit Nadeln gar nicht ging, davon zeugen einige geknickte Nadeln), dass die Kanten genau aufeinandertrafen. Da kam wieder der Perfektionismus durch und ich habe mehrere Male wieder aufgetrennt, weil die Kanten nicht hundertprozentig aufeinander saßen. Nachdem ich schon beschrieben habe, dass meine Maschine über den Notstopp verfügt, kannst du dir sicher vorstellen, was folgte… Vor lauter Aufregung und Ärger über mich, weil ich insgesamt zu dicke Materialien kombiniert hatte und weil ich den Boden zu dick verstärkt hatte, standen mir meine Haare schon kreuz und quer vom Kopf ab. Das Gesicht war hochrot und der Blutdruck wahrscheinlich auch in die Höhe geschossen. Mehrfach habe ich mir gesagt, ich nähe nie wieder Rucksäcke oder Taschen. Zumal ich etwas Angst hatte, dass ich meine Nähmaschine damit ruiniere. Mehr als einmal sagte mein Mann: Ich dachte Nähen soll Spaß machen und Entspannung sein, worauf er nur ein ärgerliches Knurren von mir hörte. Wenn Annika nach dem Fortschritt des Rucksackes geschaut hat, kam dann immer wieder ein aufmunterndes: Du schaffst das, Mama.

Tja, wenn da nur nicht dieser mir innewohnender Ehrgeiz wäre. Also habe ich immer weiter gemacht, an den schwierigen Stellen das Handrad und damit die Nadel manuell durch die Teile geführt, bis alles zusammengenäht war. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich und stolz ich war, dass ich dieses Projekt doch abgeschlossen habe.

Voller Aufregung und Freude habe ich den fertigen Rucksack dann Annika, meinem Mann und allen Leuten, die mir über den Weg liefen gezeigt. Und was soll ich sagen, trotz der Aufregung wegen des Ärgers beim Nähen und  aufgrund der freudigen Aufregung über das Fertigstellen des Rucksackes, habe ich mir vorgenommen diesen Rucksack in einer verkleinerten Form noch einmal in passenderen Materialen zu nähen. Den passenden Stoff und dünneres Kunstleder liegen schon bereit.

In der jetzigen Form ist der Rucksack wirklich ein Raumwunder und hat mich durch meinen Urlaub am Gardasee, in Venedig und in Österreich begleitet und damit seine Feuertaufe mit Bravour bestanden.

Das war es für heute, bis bald

Eure Mamia


Verlinkt bei: RumsTT – Taschen und TäschchenRucksack No. 1
Schnittmuster: Rucksack No. 1 von annimamia.de


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